{"id":2813,"date":"2021-08-16T19:41:00","date_gmt":"2021-08-16T17:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/testavalems.opointzero.ch\/principes-ethiques\/"},"modified":"2025-09-22T18:13:50","modified_gmt":"2025-09-22T16:13:50","slug":"principes-ethiques","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/avalems.ch\/de\/principes-ethiques\/","title":{"rendered":"Ethik und Demenz"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Achtung der W\u00fcrde<\/h2>\n\n\n\n<p>Die W\u00fcrde ist mit dem Menschsein gegeben und beinhaltet ein fundamentales Recht auf Achtung. Sie ist unabh\u00e4ngig von den k\u00f6rperlichen, geistigen oder psychischen Beeintr\u00e4chtigungen eines Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Umgang mit demenzkranken Menschen muss deren W\u00fcrde in jeder Situation geachtet und gesch\u00fctzt werden, insbesondere, indem wir:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die betroffene Person in ihrer Einzigartigkeit sehen und ihr individuell begegnen,<\/li>\n\n\n\n<li>ihrer besondere Verletzlichkeit sowohl in ihrem Verhalten als auch in jeder Form der Kommunikation Rechnung tragen,<\/li>\n\n\n\n<li>ihr mit Respekt, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und Geduld begegnen,<\/li>\n\n\n\n<li>ihre religi\u00f6sen und kulturellen Pr\u00e4gungen ernst nehmen,<\/li>\n\n\n\n<li>den Wert ihres Lebens nicht an den g\u00e4ngigen Wertmassst\u00e4ben der Gesellschaft bemessen, sondern als in sich selbst gegeben anerkennen.Die Achtung der W\u00fcrde einer Person schliesst die Respektierung ihres Autonomieanspruchs auch bei demenziell bedingtem Verlust ihrer Autonomief\u00e4higkeiten mit ein.\u00a0(SAMW\/ASSM, 2017).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Respektierung der Autonomie<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Bewohnerin oder der Bewohner mit Demenz ist in der Aus\u00fcbung ihrer\/seiner Selbstbestimmung zu sch\u00fctzen und so weit wie m\u00f6glich zu unterst\u00fctzen. W\u00e4hrend im Anfangsstadium der Demenzerkrankung in der Regel von einer vollen Selbstbestimmungsf\u00e4higkeit ausgegangen werden kann, beraubt der fortschreitende Verlust der kognitiven Funktionen die betroffene Person zunehmend der F\u00e4higkeit, selbstbestimmt zu handeln. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien ist der Anspruch auf Selbstbestimmung insofern zu achten, als Partizipation zu erm\u00f6glichen ist. Dazu geh\u00f6rt auch, k\u00f6rperlichen \u00c4usserungen von Vorlieben und W\u00fcnschen angemessene Beachtung zu schenken.\u00a0(SAMW\/ASSM, 2017)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Urteilsf\u00e4higkeit<\/h4>\n\n\n\n<p>Eine urteilsf\u00e4hige demenzkranke Person darf auch medizinisch indizierte Massnahmen verbindlich ablehnen. Unvern\u00fcnftig erscheinende Behandlungsentscheide berechtigen f\u00fcr sich genommen noch nicht zur Annahme der Urteilsunf\u00e4higkeit, k\u00f6nnen aber ein Indiz daf\u00fcr sein. Gegebenenfalls bedarf es einer Abkl\u00e4rung der Urteilsf\u00e4higkeit f\u00fcr den konkreten Entscheidungsprozess.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Urteilsf\u00e4higkeit ist immer mit Bezug auf eine konkrete Entscheidung zu beurteilen. Sie kann bei der demenzkranken Person z.&nbsp;B. f\u00fcr einfache Eingriffe und allt\u00e4gliche Betreuungsmassnahmen, Essensw\u00fcnsche etc. noch vorhanden sein, wenn sie f\u00fcr komplexere Angelegenheiten und solche von grosser Tragweite (z.&nbsp;B. Abschluss eines Pflegevertrags) bereits fehlt. Sofern die Urteilsf\u00e4higkeit nicht mehr gegeben ist, muss die demenzkranke Person f\u00fcr den konkreten Entscheid vertreten werden. Die Ermittlung des mutma\u00dflichen oder des nat\u00fcrlichen Willens bleibt handlungsleitend.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine besondere Herausforderung bilden die erheblichen kognitiven Schwankungen, mit denen manche Demenzformen (z.&nbsp;B. Lewy-Body-Demenz, vaskul\u00e4re Demenz) einhergehen k\u00f6nnen. In diesen F\u00e4llen sollen f\u00fcr die Abkl\u00e4rung der Urteilsf\u00e4higkeit soweit m\u00f6glich ein Zeitpunkt und ein Setting gew\u00e4hlt werden, in denen sich die Bewohnerin oder der Bewohner in bestm\u00f6glicher Verfassung befindet und sich wohlf\u00fchlt.&nbsp;(SAMW\/ASSM, 2017)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Urteilsunf\u00e4hige Bewohnerinnen und Bewohner<\/h4>\n\n\n\n<p>Fehlt es an der Urteilsf\u00e4higkeit, sodass die demenzkranke Person in Bezug auf eine bestimmte Entscheidung nicht mehr selbstverantwortlich entscheiden kann, sind deren W\u00fcnsche und Wertvorstellungen f\u00fcr das Handeln der Betreuungspersonen und Angeh\u00f6rigen nach wie vor zentral. Hat die Bewohnerin oder der Bewohner ihren\/seinen Willen im Rahmen einer Behandlungsplanung, in einer Patientenverf\u00fcgung oder in einem Vorsorgeauftrag festgehalten, ist dies handlungsleitend f\u00fcr das Behandlungs- und Betreuungsteam. Fehlt ein solches Dokument, m\u00fcssen Personen, welche die Bewohnerin oder den Bewohner vertreten, ihre Entscheidungen nach dem mutmasslichen Willen der betroffenen Person f\u00e4llen, d.&nbsp;h. so, wie diese selbst dies wahrscheinlich tun w\u00fcrde, k\u00f6nnte sie noch eigenverantwortlich entscheiden. Hinweise auf den mutmasslichen Willen k\u00f6nnen fr\u00fchere (m\u00fcndliche) \u00c4usserungen \u00fcber ihren Willen und ihre Wertvorstellungen sowie aktuelle W\u00fcnsche, Vorlieben und Verhaltensweisen sein. Fehlen Anhaltspunkte f\u00fcr den mutmasslichen Willen, orientiert sich die Entscheidung am objektiven Interesse (\u00abBest Interest\u00bb) der Bewohnerin resp. des Bewohners. Ist dieses fraglich, gilt: Im Zweifelsfall f\u00fcr die Erhaltung des Lebens.&nbsp;(SAMW\/ASSM, 2017)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Partizipation<\/h4>\n\n\n\n<p>Wir ermutigen und unterst\u00fctzen Bewohnerinnen und Bewohner mit einer demenziellen Erkrankung und ihre Familien, sich in dem von ihnen gew\u00fcnschten Umfang an der Entscheidungsfindung und Pflege zu beteiligen. Diese therapeutische Allianz basiert auf der Partizipation der betroffenen Person, unabh\u00e4ngig vom Grad ihrer kognitiven oder k\u00f6rperlichen Beeintr\u00e4chtigung. Ziel ist es, die Beziehung ganz auf die betroffene Person auszurichten, ohne die ihr nahestehenden Menschen auszuschliessen.&nbsp;(SAMW\/ASSM, 2017)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wahrhaftigkeit und Respekt<\/h4>\n\n\n\n<p>Zum Gelingen menschlicher Beziehungen geh\u00f6ren Wahrhaftigkeit und Respekt. Eine am Prinzip der Wahrhaftigkeit orientierte Kommunikation vermeidet es, das Gegen\u00fcber durch gezieltes Einsetzen von Unwahrheiten irrezuf\u00fchren und zu manipulieren. Ein respektvoller Umgang wahrt die Qualit\u00e4t der gleichberechtigten Beziehung auf Augenh\u00f6he trotz unterschiedlicher Ressourcen und Einflussm\u00f6glichkeiten der beteiligten Personen.&nbsp;(SAMW\/ASSM, 2017)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Achtung der W\u00fcrde Die W\u00fcrde ist mit dem Menschsein gegeben und beinhaltet ein fundamentales Recht auf Achtung. Sie ist unabh\u00e4ngig von den k\u00f6rperlichen, geistigen oder psychischen Beeintr\u00e4chtigungen eines Menschen. 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